Kartenvorteil Teil 2

Wir machen heute direkt damit weiter, womit wir Donnerstag aufgehört haben. Unser Thema der Woche lautet “Kartenvorteil” und wir möchten, dass ihr es besser versteht, um so noch erfolgreicher auf Turnieren abschneiden zu können! Wir haben bereits kurz erläutert, wie man Karten genau zählt und wieso Kartenvorteil so wichtig ist – habt ihr mehr Karten als euer Gegner, so habt ihr auch mehr Optionen, um ihm euer Spiel aufzuzwingen. Dadurch steigt wiederum eure Chance, das Spiel zu gewinnen. Heute gehen wir konkret darauf ein, wie man Kartenvorteil erarbeiten kann!

Ab ins Getümmel!

Die einfachste Möglichkeit, um Kartenvorteil erarbeiten zu können, ist der Kampf. Greift ihr beispielsweise einen gegnerischen Elementarheld Neos Alius mit eurem Cyber Drache an und zerstört ihr ihn im Kampf, so verliert euer Gegner eine Karte, während ihr selbst keine verliert. Das bedeutet unter dem Strich, dass ihr Kartenvorteil erarbeitet habt. Das ist die primäre Strategie von Anti-Decks – sie versuchen, gegnerische Effekte zu unterbinden, die Kartenvorteil versprechen und laufen gleichzeitig über gegnerische Monster, so dass die Optionen ihrer Gegner immer weniger werden.

Allzu einfach ist es heutzutage allerdings gar nicht, Kartenvorteil über den Kampf zu erwirtschaften. Immerhin spielt kaum noch jemand normale Vanilla-Monster, die über keine Effekte verfügen. Was uns direkt zum nächsten Punkt bringt:

Effekthascherei!

Der Großteil aller Monster fand seinen Weg in die verschiedenen Themendecks, weil ihre Effekte Kartenvorteil versprachen. Gerade deshalb ist Wiedergeborener Tengu derzeit so beliebt – selbst wenn er im Kampf bezwungen wird verliert ihr keine Karte; vielmehr tritt einfach der nächste Tengu an seine Stelle. Genauso bedeutet das Erscheinen der meisten “Boss-Monster” auf dem Spielfeld, dass für einen Spieler gleich die Lichter ausgehen: Ob es nun Finsterer Bewaffneter Drache, Trishula, Drache der Eisbarriere oder Legendäre Sechs Samurai – Shi En ist – jedes dieser Monster erarbeitet entweder direkt bei seiner Ankunft auf dem Spielfeld Kartenvorteil oder es kann nur mit erheblichem Aufwand vom Feld genommen werden; euer Gegner muss also gleich mehrere Karten investieren, um sich die Bedrohung vom Hals zu schaffen.

Combo-Time!

Ein letzter Sonderfall sind Decks, die auf haufenweise Karten setzen, die für sich allein genommen Kartennachteil zur Folge haben. Aktiviere ich beispielsweise einen Makrokosmos, so verliere ich zwar keine Karte, gleichzeitig gewinne ich aber auch erstmal nichts. Nehme ich jedoch gegnerischen Löwenzahn-Löwen oder Sporen ihre Effekte, weil sie nicht im Friedhof landen und sorge ich gleichzeitig dafür, dass meine eigenen D.D. Überlebender immer wieder aufs Spielfeld zurückkehren, so erarbeite ich im Verlauf eines Spiels jede Menge Kartenvorteil. Die große Frage ist dann nur, ob mein Gegner meine Combo unterbrechen und eines der Puzzleteile vom Feld nehmen kann, denn dann stehe ich mit einem Trümmerhaufen da, der große Schwierigkeiten haben wird, das Spiel noch zu gewinnen.

Die aktuellen Top-Decks setzen allesamt auf gleich mehrere Möglichkeiten, um sich die für ihre Vorteil erarbeitenden Effekte notwendigen Einzelkarten auf die Hand zu suchen. Pflanzen bedienen sich der äußerst spielstarken Einzelfeuerblüten-Sucherkette, während die Sechs Samurai mit Shiens Rauchzeichen und Verstärkung für die Armee an die zur Synchronisierung von Legendäre Sechs Samurai – Shi En benötigten Monster kommen können. Üblicherweise kriegen es beide Decks schon ab dem ersten Spielzug hin, ihre wichtigsten Bedrohungen aufs Spielfeld zu beordern, so dass der Druck auf den Gegner schlagartig ansteigt. Verfügt ihr dann über Möglichkeiten, die gegnerischen Bedrohungen ohne Kartennachteil vom Feld zu schaffen, so habt ihr gleich 2 Schritte auf der Siegerstraße machen können!

Bei den Grabwächtern wird mit am deutlichsten, wie bedeutend Kartenvorteil mittlerweile ist. Erst seit Erscheinen von Grabwächters Anwerber konnten sie oben mitspielen, da der Sucher ihnen mehr Stabilität verleiht. Da sie nun aber gehäuft schon im ersten Spielzug einem Trishula, Drache der Eisbarriere gegenüberstehen und für diesen nur wenige Antworten parat haben, sind sie ein wenig aus dem Meta raus rotiert.

Habt ihr alles verstanden oder liegen euch noch immer Fragen zum Thema Kartenvorteil auf der Zunge? Lasst es uns in einem Kommentar wissen!

Kartenvorteil Teil 1

Wir haben mehrere Zuschriften erhalten, in denen sich Leser unserer Artikel fragten, was wir eigentlich mit “Kartenvorteil” meinen würden. Zwar fällt der Begriff ständig, insbesondere wenn es um die Einschätzung der Stärke von Karten geht, allerdings haben wir ihn noch nie erklärt. Das wollen wir heute nachholen und euch erläutern, was es mit dem wichtigsten Begriff im Yu-Gi-Oh! Trading Card Game auf sich hat.

Wie zählt man Karten?

Je mehr Karten euch zur Verfügung stehen, desto mehr Optionen habt ihr, um euren Gegner in eine schwierige Lage zu bringen, aus der er vielleicht gar keinen Ausweg mehr findet. Da ihr mit den wenigsten der Karten, die sich in eurem Deck, eurem Friedhof oder in der Zone der verbannten Karten befinden, etwas anfangen könnt, zählt man im Normalfall lediglich die Karten, die sich auf eurer Hand und eurer Spielfeldseite befinden. Haltet ihr also beispielsweise 3 Karten auf der Hand und habt ihr noch 2 Monster auf dem Spielfeld, so beträgt die Gesamtzahl der euch zur Verfügung stehenden Karten 5.

Darauf aufbauend lässt sich auch sehr leicht “Kartenvorteil” berechnen. Hält euer Gegner im selben Beispiel 4 Karten auf der Hand, hat dafür aber kein Monster auf dem Spielfeld, so habt ihr selbst einen Kartenvorteil von 1, da man hier einfach die Differenz der Anzahl der Karten beider Spieler berechnet.
Soweit so gut. Doch warum ist es nun so wichtig, in Kartenvorteil zu sein?

Kartenvorteil gewinnt Spiele!

Stellt euch vor, euer Gegner hat bereits 3 Monster auf dem Spielfeld. Er setzt zu einem Großangriff an und ihr aktiviert Spiegelkraft. Euer Gegner verliert nun 3 Karten, während ihr nur 1 Karte verloren habt. Folglich habt ihr euch nun gerade einen Kartenvorteil von 2 Karten erarbeitet. Da euer Gegner nicht einfach so 2 neue Karten in seine Hand zaubern kann, wird es ihm nun deutlich schwerer fallen, Druck auf euch auszuüben und das Spiel zu gewinnen. Ihr hingegen könnt eure Monster nun ausspielen und ihn ordentlich in die Defensive drängen. Selbstverständlich kann er auch auf Karten wie Spiegelkraft bauen, um eure Monster vom Feld zu nehmen, doch wenn ihr nur mit 1 Monster in seine Falle tappt, so habt ihr immer noch 2 Karten mehr, mit denen ihr das Spiel womöglich gewinnen könnt!

Zwar ist das Spiel aktuell wieder etwas schneller, so dass mitunter auch schon mal Decks gewinnen können, die einfach nur schnell genug ausreichend viel Schaden anrichten können, so dass der Kartenvorteil gar nicht zum Tragen kommt, doch sobald ein Spiel etwas länger andauert, so gewinnt in einem Großteil der Fälle der Spieler, dem mehr Karten zur Verfügung stehen.

Das ist der Grund, warum bessere Spieler wie Michel Grüner auch mal mit einem schwächeren Monster (z. B. XX-Säbel Emmersklinge) in ein stärkeres Monster (z. B. den Sternenstaubdrache seines Gegners) rennen – sie wissen, dass sie am Ende durch die nun ermöglichte Synchrobeschwörung mit Hilfe des geholten XX-Säbel-Finsterseele Kartenvorteil erarbeiten und ihr Gegner plötzlich ohne Monster da steht und das Spiel folglich fast schon abschreiben kann. Dass der bessere Spieler zuvor Life Points eingebüßt hat, um diesen Zug so durchführen zu können, ist an der Stelle eher vernachlässigbar für ihn – denn mit Life Points kann man sich nur sehr selten Kartenvorteil erkaufen.

Life Points sind unbedeutend

Das bringt uns auch direkt zur letzten Lektion des heutigen Artikels. Life Points sind in den meisten Spielen sehr egal. Erst wenn man kurz vor dem Verlust des Spiels steht, gewinnen Life Points an Bedeutung. Spielt ihr nicht gerade haufenweise Effekte, die als Aktivierungsbedingung ein Opfer eurer LPs verlangen (beispielsweise Ernste Warnung), so könnt ihr ruhig auch mal einen Angriff eures Gegners hinnehmen, solange ihr dabei keine Karte einbüßt. Entsprechen werden Karten wie Magischer Zylinder nur selten gespielt – sie kosten euren Gegner zwar Life Points, doch da er nach und nach weiter in Kartenvorteil geht, während ihr solche Karten ausspielt und anschließend immer noch eine Bedrohung vor euch habt, verliert ihr über kurz oder lang die Oberhand über das Spiel.

Im nächsten Teil unserer kleinen Serie erklären wir euch, wie man am einfachsten Kartenvorteil erarbeitet und reißen auch einige der Schlüsselcombos der aktuell beliebtesten Decks an, um die Funktionsweise zu verdeutlichen!